Kongressvortrag

Entlastung des OP- Funktionsdienstes und Kostenreduzierung durch Optimierung der Anästhesie-spezifischen OP-Logistik

Beschreibung

Die Charité Berlin hat am Campus Mitte das komplette Hochhaus saniert und 15 neue OP’s gebaut sowie die Anästhesie nach einem innovativen Hub-and-Spoke-System ausgestaltet. Dieses neue logistische Konzept machte es erforderlich, dass die Ver- und Entsorgungslogistik mit Anästhesie-Material einer Neugestaltung zu unterziehen war. Ziel war es, ein zukunftsweisendes Logistikkonzept zu entwickeln, dass Prozesskosten minimiert, unnötige logistische Aufwände des Funktionsdienstes vermeidet, unnötige Obsoleszenzen von Anästhesieprodukten vermeidet, innovative Methoden und Technologien nutzt und Systempartnerschaften mit der Industrie aufbaut. In diesem Kontext sollten logistische Mehrwert-Services für die OP-Logistik entwickelt und pilotiert werden. Der seitens der Charité erwartete Platzmangel im Zentral-OP des Campus Mitte verstärkte den Bedarf nach einer optimalen Logistiklösung und stellte eine weitere wichtige Rahmenbedingung für die zu entwickelnden logistischen Mehrwert-Services dar.

Es wurden basierend auf detaillierten Analysen der Ist-Prozesse in der OP-Logistik für den Anästhesie-Bereich diverse Ideen für logistische Mehrwertdienste gemeinsam mit allen Berufsgruppen entwickelt und bewertet. Der Schwerpunkt lag in Neugestaltung von physischen, informatorischen und organisatorischen Prozessen in der anästhesie-spezifischen OP-Logistik. Zentrale Komponente dieser innovativen Lösung ist das Anästhesie-Fallwagen-Konzept. Eine weitere Komponente sind Anästhesie-Komplett-Sets, die das Fallwagen-Konzept ergänzen. In den Komplett-Sets werden sämtliche für das jeweilige Einleitungsverfahren benötigten Artikel den Ärzten und Pflegemitarbeitern durch die Logistik bereitgestellt. Das entwickelte Konzept aus Anästhesie-Fallwagen, Anästhesie-Komplett-Sets und neuen Logistik-Prozessen für die Ver- und Entsorgung des OP’s mit Anästhesie-Material wurde unter enger Einbeziehung von Anästhesie-Ärzten und -Pflegern sowie von Mitarbeitern des Fachbereichs Logistik erprobt.

Die Einführung dieses innovativen OP-Logistik-Konzeptes durch die Logistik führte zu einer erheblichen Entlastung des medizinischen und pflegerischen Personals: Kommissionier- und Bereitstellungsaufwände von Artikeln wurden aus dem OP-Umfeld verbannt und an die Logistik übertragen. Wartezeiten für Anästhesisten bei kurzfristigen Änderungen der Einleitungsverfahren wurden gesenkt. OP-Auslastung wurde durch die Reduzierung prozess-bedingter Leerzeiten erhöht. Standardisierung von Artikelbedarfen je Einleitungsverfahren zur Senkung von Teilevielfalt und resultierenden Lagerplatzbedarfen im OP. Durch den „Just-in-Time“-Einsatz der Fallwagen und der Sets konnte der Artikelverwurf reduziert werden. Die Rolle der Logistik als „Enabler“ für die Steigerung der medizinischen Qualität und die Reduzierung von Prozesskosten in der Charité wurde gestärkt sowie wesentliche Grundlagen für den Aufbau von Systempartnerschaften mit der Industrie auf dem Gebiet der Logistik geschaffen.

Referent:innen:

Stefan Wollschläger
Visality Consulting GmbH